Reisebericht Fitness- & Yogacamp

Wenn ich den See seh’… // Geschrieben von Franzi – Stattstadtmädchen

„Ist blöd, so alleine zu verreisen, oder?“ Der Satz kam von meiner Mama, als ich während des Yoga- und Fitnesscamps mit ihr telefonierte, um sie auf den neuesten Stand zu bringen.

Wir liefen gerade Richtung See, 2,5 km Feldweg, vorbei an Wollschweingehegen und durch junigrünen Wald, aus dem es unentwegt surrte und raschelte. Wir – das waren noch etwa 15 andere Menschen und ich. Menschen, von denen mir die meisten drei Tage zuvor noch völlig fremd waren.


Stattstadtmädchen // Kleine Alltagsgeschichten eines Stadtmädchens, das die Natur im Herzen trägt. Und ein wenig Poesie hier und da ❤️


„Ach weißt du, ich bin ja nicht allein.“ kam mir als Antwort über die Lippen. Eine Aussage, die wohl noch vor eben diesen drei Tagen anders ausgefallen wäre. Nicht, dass ich es nicht schätze, alleine zu verreisen – ich kann sehr gut bei und mit mir sein – aber alleine ist zum einen in diesem Fall ohne meine Familie. Und das ist blöd. Und zum anderen allein in eine feste Gruppe – und auch das ist eigentlich nicht meine Komfortzone.

Doch nun, ein paar Sonnenauf- und -untergänge später, fühle ich mich weder allein, noch einsam. Weil ich die Menschen, die in immer wechselnden kleinen Gruppen vor und hinter mir laufen, gefühlt schon lange kenne.

Ich hatte ein wenig Bedenken, als ich in diese Woche gestartet bin. Ich bin weder ein Cluburlauber (es fällt mir einfach schwer, hyperfröhliche Animateure auch nach dem 8. Mal noch höflich mitzuteilen, dass ich bitte keinen Clubtanz mitmachen möchte) noch springe ich so beherzt in eine fremde Menschengruppe wie in einen Pool an einem heißen Tag.

Ich schreibe diese Zeilen zwei Tage nach meiner Heimkehr. Und muss zugeben: ich vermisse dieses Team. Und ich vermisse den Sport.

Ich vermisse es, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, ob ich morgens zum Yoga zu Sandra gehe, oder mit Lars zum See laufe. Jeden Vormittag fordernde Fitnesseinheiten einzulegen, mittags die Füße in den Pool zu halten und mich Nachmittags in Team-Games zu verausgaben. Ich habe schon in einem früheren Blog darüber geschrieben, was das besondere am Sport im Team ist:

„Besonders mit Freunden oder Menschen mit dem gleichen Ziel einer sportlichen Aktivität nachzugehen, gibt mir unglaublich viel. Zumal dann die Schweinehunde abgelenkt sind, weil sie miteinander spielen. Es lässt sich am besten so zusammenfassen:

Man kennt sich, seine Schwächen, seine Stärken, versteht sich ohne Worte. Oft reicht da ein Blick zur Motivation; ein Blick der sagt: „Los, zieh durch, ich weiß du kannst das!“

Gerade in Zeiten, in denen jeder oft nur noch für sich ist, versunken in sein Handydisplay, abgeschottet durch Kopfhörer, ist gemeinsamer Sport eben auch eins: sozialer Kontakt.

Wenn man sich verabredet, geht man eine Verantwortung und eine Verpflichtung dem anderen gegenüber ein. Es entsteht ein Band, das sagt: zusammen schaffen wir das, ich lass dich nicht hängen und du mich nicht. Gleichzeitig trittst du immer auch gegeneinander an und schaffst so eine Wettkampfsituation. Das spornt IMMER dazu an, mehr aus sich herauszuholen. Gemeinsam tut es weniger weh. Sehnsucht nach Gemeinschaft, Teamgeist, Zusammenhalt und nach sozialer Anerkennung sind ureigene Instinkte, die wir durch die sportlichen Aktivitäten in der Gruppe befriedigen. Nicht umsonst wird Vereinssport mit soviel persönlichem Einsatz und Hingabe betrieben.

Auch körperlich ist dieser Effekt nachweisbar. Wenn wir wahrgenommen, gesehen, gelobt und reflektiert werden, schüttet unser Körper verschiedene Stoffe aus, die unser Motivationssystem aktivieren; darunter der Neurotransmitter Dopamin und das Hormon Oxytozin. Letzteres sorgt dafür, dass wir Vertrauen in andere Menschen bekommen und dämpft das Stressempfinden. Dopamin ist ein Botenstoff, der auch als Glückshormon bezeichnet wird. Gemeinsamer Sport aktiviert also Hirnareale, die Euphorie und Motivation auslösen und körpereigene Wirkungen, wie zum Beispiel Glücksgefühle, verursachen.“

Glücksgefühle. Das ist mein liebstes Souvenir aus diesem frühsommerlichen Ausflug. Eine ganze maritime Strandtasche voll habe ich mir mitgenommen.

Denn entgegen meiner ursprünglichen Annahme, ist das gestrickte Programm niemals ein Muss, immer ein Kann und endete schließlich in einem permanenten WILL. Ich hatte jederzeit die Möglichkeit, mich zurück zu ziehen und für mich zu sein. Etwas, das ich wirklich brauche und schätze. Und trotzdem wartete da ein homogene Gruppe voller Individuen, die sich jedes mal freuten, wenn sie einander sahen. Da waren Mutter-Tochter-Gespanne, Arbeitskollegen, Freunde, Paare, Familien. Jeder mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Vergangenheit, einem ganz eigenen autarken Leben.

Nach ein paar Tagen hat man mit jedem mal geredet. Oder gekämpft und geschwitzt. Oder einfach nur schweigend geatmet. Mit allen hat man gelacht und gemeinsam gegessen. Und Bommel gespielt. Aus Fremden wurde ein Team.

Man lässt etwas zurück von sich und kommt doch erfüllter nach Hause. Frische Luft, unglaublich gutes Essen und eine Atmosphäre, die jegliche Spannungen vermissen lässt. Dafür hat man ja genug Körperspannung – soviel, dass ab dem dritten Tag der Arm zittert, wenn man die Salatzange zudrücken möchte.

Was ich persönlich auch besonders schön fand: es war ein kleines lokales Reisebüro, das diese Reise zusammengestellt hat. Sowohl Fitnesstrainer Lars als auch Yogalehrerin Sandra kamen ebenfalls aus Erfurt und alle, mit denen man unterwegs war, sind auch nach dem Urlaub theoretisch in greifbarer Nähe.

Im September findet die nächste Reise zum Fleesensee statt – und ich überlege tatsächlich, noch einmal mit zu fahren. Danke an Jan vom Reisebüro Ehrke, dass ich das erleben durfte (Werbung aus Überzeugung). Diese Tage haben mir – die ich ohnehin schon sportlich und ernährungsbewusst bin – noch einmal einen unglaublichen Auftrieb und Motivation gegeben. Und ich werde einige meines Teams wohl in Zukunft regelmäßiger sehen – zum Streetfitness oder zum Yoga. Oder einfach um bei einem Glas Wein zu bommeln.

Ich freu mich drauf.

Eure Franzi // Stattstadtmädchen